Jetzt essen alle Erdbeeren!

Mit Beginn des Monats Dezember, beginnt in Xiamen auch die Erdbeerzeit.

Erdbeerzeit in Xiamen

Von einem auf den anderen Tag gibt es überall Erdbeeren zu kaufen und zu essen; am Getränkestand in der Mensa kann man sich einen Saft aus oder mit Erdbeeren bestellen, am Straßenrand werden sie in Körben verkauft und in jedem Obstladen sind sie in der Auslage zu finden. Sogar einige Klassen an unserem Sprachen-Institut der Universität Xiamen organisieren Ausflüge zu einem Erdbeerfeld, um dort Erdbeeren zu pflücken.

Ja, es ist Winter und Erdbeerzeit. Das hört sich für uns Deutsche komisch an,  aber hier kann man im Winter ohne Bedenken Erdbeeren kaufen und essen.

Kein Schnee in Xiamen!

In drei Tagen ist Weihnachten!

Wären wir jetzt in Deutschland, wären wir bestimmt gerade dabei Plätzchen zu backen, letzte Weihnachtseinkäufe zu erledigen, vielleicht noch die ein oder andere Weihnachtskarte oder -paket zur Post zu bringen, sich eben einfach auf ein Fest im Kreise der Familie zu freuen.

Aber wir sind nicht in Deutschland! Und wenn wir keinen Kontakt zu unseren Familien nach Deutschland hätten, würden wir, so meine ich, fast vergessen, dass in drei Tagen Heiligabend ist. Nun gut, man spricht im Unterricht mit der Chinesischlehrerin über das Fest und über unsere westlichen Bräuche, außerdem gibt es an unserem Sprachen-Institut an der Universität Xiamen auch am 23.12. eine Weihnachtsfeier, aber auf die besinnliche  Weihnachtsstimmung und auf das dazugerhörige deutsche kalte Weihnachtswetter (dieses Jahr ausgerechnet noch mit Schnee) wartet man hier umsonst.

Wir sind hier eben in den Subtropen, wo man traditionell kein Weihnachten feiert, nach echten Tannenbäumen braucht man erst gar nicht zu suchen und auf die Weihnachtsfeiertage müssen wir hier auch verzichten (wir haben hier bis Anfang Januar durchgehend Unterricht)!

Doch wir wünschen allen in Deutschland ein wunderschönes Weihnachtsfest und wir freuen uns auf ein umso schöneres Weihnachten 2011!

Lang Lang in Xiamen 郎朗在厦门

Ein musikalischer Abend mit einem Star der Klassik-Szene

Lang Lang in Xiamen

Wir hatten am 6. Dezember die Gelegenheit bekommen, Lang Lang, einen der weltbesten Pianisten, in Xiamen live zu erleben. Er ist einer der Chinesen, deren Namen auch über die Landesgrenzen hinweg allgemein bekannt ist und den man in Deutschland neben seinen Konzerten vor allem mit Auftritten im deutschen Fernsehen (man denke an “Wetten dass…” oder seinen Auftritt vor dem Finale der Fußball-Europameisterschaft 2008 im ZDF) in Verbindung bringt.

Lang Lang am Klavier

Die Preise waren für den gemeinen Chinesen kaum zu bezahlen, allein die günstigste Kategorie lag mit umgerechnet gut 30 Euro für chinesische Verhältnisse ziemlich hoch.

Einige Eindrücke bleiben festzuhalten, unter anderem, weil sie auch etwas verraten über das chinesische Kulturverständnis und den Stellenwert der Kultur im Allgemeinen. Zu diesem Thema werden wir im Laufe des Jahres noch mit weiteren Artikeln beitragen. Den musikalischen Aspekt lassen wir hierbei vorerst außen vor.

Wenn man in Deutschland ein klassisches Konzert besucht, ist dies eine im Allgemeinen sehr seriöse Angelegenheit, worunter ein gewisses Maß an Etikette und ein bestimmter Dresscode fallen.

Am Abend des Lang Lang-Konzertes mag dies auch für die wenigen Reihen des VIP-Bereichs direkt vor der Bühne gegolten haben, doch der Großteil der Menschen in den hinteren Reihen war äußerst leger gekleidet. Dazu gehörte auch die große Anzahl Kinder in Trainingsanzügen, die wohl direkt nach der Schule (einige erledigten ihre Hausaufgaben in den Pausen) zum Konzert mitgebracht wurden (daher auch die einheitlichen Trainingsanzüge, welche man in der Schule trägt). Es schien für sie auch nicht sonderlich interessant gewesen zu sein, ansonsten wäre der Großteil von ihnen nicht während des Konzertes zwischen den Reihen herumgelaufen und hätte sich dabei unterhalten.

Das Konzert wurde in einer großen Messehalle veranstaltet, was für den geneigten Klassikhörer Einbußen in Sachen Sicht (ebenerdig), Klang (äußerst metallisch) und Gemütlichkeit (Plastikstühle) bedeutete. Die siebenseitige Programmbroschüre bestand zu mehr als zwei Dritteln aus Werbung, auch die zwei großen Bildschirme neben der Bühne sendeten vor Beginn und in den Pausen dauerhaft Werbeclips, kurz unterbrochen von einem Einspielfilm über Lang Lang selbst. Vor der Halle waren zudem Sponsorenstände aufgestellt, die unter anderem mit Informationsbroschüren und Geschenken für die Kinder lockten. Die Ökonomisierung der Kultur stieß dem Kulturinteressierten deshalb manchmal übel auf, ebenso wie die unerhört vielen Nebengeräusche (Essgeräusche, Walkie-Talkies des Sicherheitspersonals, Kindergeschrei etc.).

Die Klage in Deutschland, klassische Musik sei eine Angelegenheit für eine kleine gebildete Elite, wurde hier in ihr Gegenteil verkehrt. Man muss dabei aber berücksichtigen, dass die Preise für dieses “Spektakel” selbst so hoch lagen, dass ein einfacher Arbeiter oder Angestellter sich dieses Konzert auf keinen Fall oder nur sehr schwerlich leisten könnte. In nächster Zeit werden wir demgegenüber noch von Konzerten und anderen kulturellen Aktivitäten berichten, die weniger mit großen Tönen aufwarten, sondern eher versteckt in Xiamen zu finden sind.

Winter in Xiamen 厦门的冬天

Nun hat auch der Winter Einzug in Xiamen gehalten. Man mag es nicht glauben, aber auch in subtropischen Gebieten kann man ziemlich frieren. Vermummte Menschen mit Schals und dicken Wollmützen allerorts im Xiamener Straßenbild. Die Temperaturen sinken nachts bereits auf sechs Grad, tagsüber auf 12 Grad. Jetzt fühlt man sich in den tiefsten deutschen Herbst versetzt: Regen, kurze Tage, Kälte, jedoch: Weihnachtsstimmung kommt leider nicht so recht auf. Zwar gibt es in Kaufhäusern und Geschäften eine Dauerbeschallung mit Weihnachtsliedern und ihren asiatischen Coverversionen, und an Lametta und Weihnachtsmänner-Dekorationen mangelt es auch  nicht, manchmal aber sehnt man sich dann doch nach einem leckeren Glühwein auf dem Trierer Weihnachtsmarkt.

Sind wir also nur zwei Deutsche mit Kälte-Komplexen, die Temperaturen um die 10 Grad schon kalt finden? Nein, denn erschwerend kommt hinzu, dass es hier keinerlei Heizungen gibt. Wer – wie wir – nur über eine Klimaanlage ohne Heizfunktion verfügt, der schafft sich entweder für einiges Geld einen Heizstrahler an oder geht traditionell nach dem Zwiebelprinzip und legt ein oder zwei Kleiderschichten mehr an. Für alle, die sich überlegen, für ein Auslandsjahr nach China kommen zu wollen und es sich jetzt noch einmal mit Xiamen überlegen, sei gesagt: in Peking oder im Landesinneren befindet sich China schon weiter unter dem Gefrierpunkt, außerdem währt der Winter in Xiamen nur gut zwei Monate, dann steigen die Temperaturen schnell wieder auf über 20 Grad.

Weiter transaktieren oder doch lieber “Enter” pressen …

Die Geldautomaten einiger Banken in Xiamen bieten als Menüsprache auch Deutsch an – so weit, so unverständlich – denn wir mussten anfangs doch ein bisschen nachdenken, was uns denn dieser Automat eigentlich genau mitteilen wollte.

“Pressen Sie “Enter um fortfahren” und ähnliche Wortakrobatik brachten uns zum Schmunzeln. Als wir unser Geld dann schließlich abgehoben hatten, verzichteten wir aus Sicherheitsgründen dann doch lieber darauf, weiter zu “transaktieren”.