Ein musikalischer Abend mit einem Star der Klassik-Szene
Wir hatten am 6. Dezember die Gelegenheit bekommen, Lang Lang, einen der weltbesten Pianisten, in Xiamen live zu erleben. Er ist einer der Chinesen, deren Namen auch über die Landesgrenzen hinweg allgemein bekannt ist und den man in Deutschland neben seinen Konzerten vor allem mit Auftritten im deutschen Fernsehen (man denke an “Wetten dass…” oder seinen Auftritt vor dem Finale der Fußball-Europameisterschaft 2008 im ZDF) in Verbindung bringt.
Die Preise waren für den gemeinen Chinesen kaum zu bezahlen, allein die günstigste Kategorie lag mit umgerechnet gut 30 Euro für chinesische Verhältnisse ziemlich hoch.
Einige Eindrücke bleiben festzuhalten, unter anderem, weil sie auch etwas verraten über das chinesische Kulturverständnis und den Stellenwert der Kultur im Allgemeinen. Zu diesem Thema werden wir im Laufe des Jahres noch mit weiteren Artikeln beitragen. Den musikalischen Aspekt lassen wir hierbei vorerst außen vor.
Wenn man in Deutschland ein klassisches Konzert besucht, ist dies eine im Allgemeinen sehr seriöse Angelegenheit, worunter ein gewisses Maß an Etikette und ein bestimmter Dresscode fallen.
Am Abend des Lang Lang-Konzertes mag dies auch für die wenigen Reihen des VIP-Bereichs direkt vor der Bühne gegolten haben, doch der Großteil der Menschen in den hinteren Reihen war äußerst leger gekleidet. Dazu gehörte auch die große Anzahl Kinder in Trainingsanzügen, die wohl direkt nach der Schule (einige erledigten ihre Hausaufgaben in den Pausen) zum Konzert mitgebracht wurden (daher auch die einheitlichen Trainingsanzüge, welche man in der Schule trägt). Es schien für sie auch nicht sonderlich interessant gewesen zu sein, ansonsten wäre der Großteil von ihnen nicht während des Konzertes zwischen den Reihen herumgelaufen und hätte sich dabei unterhalten.
Das Konzert wurde in einer großen Messehalle veranstaltet, was für den geneigten Klassikhörer Einbußen in Sachen Sicht (ebenerdig), Klang (äußerst metallisch) und Gemütlichkeit (Plastikstühle) bedeutete. Die siebenseitige Programmbroschüre bestand zu mehr als zwei Dritteln aus Werbung, auch die zwei großen Bildschirme neben der Bühne sendeten vor Beginn und in den Pausen dauerhaft Werbeclips, kurz unterbrochen von einem Einspielfilm über Lang Lang selbst. Vor der Halle waren zudem Sponsorenstände aufgestellt, die unter anderem mit Informationsbroschüren und Geschenken für die Kinder lockten. Die Ökonomisierung der Kultur stieß dem Kulturinteressierten deshalb manchmal übel auf, ebenso wie die unerhört vielen Nebengeräusche (Essgeräusche, Walkie-Talkies des Sicherheitspersonals, Kindergeschrei etc.).
Die Klage in Deutschland, klassische Musik sei eine Angelegenheit für eine kleine gebildete Elite, wurde hier in ihr Gegenteil verkehrt. Man muss dabei aber berücksichtigen, dass die Preise für dieses “Spektakel” selbst so hoch lagen, dass ein einfacher Arbeiter oder Angestellter sich dieses Konzert auf keinen Fall oder nur sehr schwerlich leisten könnte. In nächster Zeit werden wir demgegenüber noch von Konzerten und anderen kulturellen Aktivitäten berichten, die weniger mit großen Tönen aufwarten, sondern eher versteckt in Xiamen zu finden sind.

